Unterwegs beim Unterwegssein

Uiuiui, da habe ich lange nichts von mir hören lassen, doch: Mich gibt es immernoch – wie viele persönlich in den letzten Tagen auch gesehen haben, denn ich war viel unterwegs.

So war ich Mitte Mai mit den Stoneheads auf dem Goldstrand Turnier auf Usedom bei Karlshagen unterwegs um Scheiben über der Sandschicht zu fangen. Ich selber habe die Reise vorbildlich mit dem Rad vollzogen und kam so gut aufgewärmt auf der Insel am Herrendonnerstag an um liebe Menschen aus der Heimat und Greifswald begrüßen zu dürfen. Es wurde gegrillt, am Freitag ein HAT-Turnier veranstaltet, der Moment genossen und das eigentliche Turnier absolviert: Mit Platz 18 von 24 im Gepäck durften wir am Sonntag die Heimfahrt genießen (ich durfte mir noch einen Zwischenhalt bei Anne in Wolgast mit leckeren Burgern gönnen :) ).

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Das Usedomtrüppchen.

Nach einer anschließenden Woche auf dem Hof mit vielen Auspflanzungen von Oca, Glücksklee, Knollenkapuzinerkresse, Rote Beete und vielem mehr, habe ich Chemnitz einen Besuch abgestattet. Ich beschloss die Reise erstmals in meinem Leben als Tramper zurückzulegen. Meine erste Reise verlief am Freitag (22. Mai) wie folgt:

8.59Uhr: Ich verlasse den Hof bei schönsten Wetter. Alle Schnecken winken mir freudig zu, weil sie sich jetzt sicherer fühlen.

9.35Uhr: Ich erreiche die erste große Straße. Kaum fahrende Autos vorhanden. Ich bastle mir sofort ein Schild mit meinem Zwischenziel Jarmen.

9.52Uhr: Auto 1 lädt mich ein. Ein Mikronährstoffexperte nimmt mich fünf Kilometer mit nach Tutow. Noch sechs Kilometer bis zur Autobahnauffahrt. Na also, es geht doch!

10.12Uhr: Auto Nummer 2 fährt mich zur Autobahnauffhrt A20. Das Auto ist mit einer Frau, zwei Kindern, dem Vater und mir voll besetzt. Papa isst die erste Bockwurst des Tages – mit einer gewagten Senf-Ketchup-Kombination.

10.25Uhr: Muss das erste Mal erkennen, das Autobahnauffahrten keine gute Zugstiegsmöglichkeit sind. Stelle mich der daher knapp hinter eine nahe gelegene Kreuzung um den Fahrern mehr Zeit zum Lesen und Entscheiden zu geben. Wieder kaum Autos, fast keiner Richtung Berlin.

10.50Uhr: Erleichterung nach der ersten Träne ;) Eine sehr nette Frau mit einer für mich mifühlenden Tochter hält an. Ich erkenne das Hallenser Kennzeichen und bin im wahrsten Sinne des Wortes hin und weg. Seht nette Fahrt im Auto 3 mit aufgeschlossenen Gesprächen zu allen Essensbereichen.

14:47Uhr: Ankunft auf einer Autobahnraststätte kurz vor Halle. Ich zeige mich erkenntlich indem ich der Familie eine junge Eierfruchttomatenpflanze mitgebe. Ein nachhaltiges Geschenk, das seine Früchte noch tragen wird.

14:50Uhr: Ein Schnitte später bastle ich ein Schild mit dem Ziel Leipzig / Chemnitz.

14:53Uhr: Stefan aus Greiz hält an und ist begeistert. Was für eine angenehme Fahrt mit dem 28-jährigen Müller, der über mein Getreidewissen staunt und mir das heutige Auto 4 für meine Reise stellt :)

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Nachgestellte Szene. Aber so ähnlich muss es ausgesehen haben.

16:02Uhr: Stefan lässt mich bei Ronneburg raus. Wieder Autobahnauffahrt. Schlechte Idee. Komme hier nicht mehr weg. Male nach 30 Minuten Smilies auf das Schild und ersetze probehalber das Wort Chemnitz durch Dresden. Auto 5 hält umgehend an.

17:07Uhr: Mit dem Päarchen Mitte 50 auf nach Meerane. Nein, ich steige lieber auf dem nächsten Rastplatz aus. 5 Kilometer Fahrt und wir arbeiten schnell das Thema ab, ob es gefährlich ist trampen. Ich beruhige das Paar.

17:16Uhr: Auf dem Rasplatz.

17:22Uhr: Lieber Familienvater aus Görlitz mit Sohn und Kommilitone packen mich ein. Auto Nummer 6 fährt in Highspeed aber sicher. Stelle fest, dass die Gespräche beim Trampen im Auto viel intensiver sind als bei Mitfahrgelegenheiten. Bestimmt weil Fahrer und Mitfahrer sehr offene Menschen sein müssen. Eine gute Erfahrung.

18:02Uhr: Chemnitz, du hast mich wieder. Hab auf Trampen keine Lust mehr und genieße die anonyme Fahrt mit der CVAG.

So war es auf meiner ersten Reise. Mittlerweile bin ich schon viermal getrampt. Ich kam immer gut am Ziel an, teilweise bis vor die „Haustür“. Manchmal muss man auch etwas geduldig sein, aber meist gehen die Mitnahmen echt schnell (< weniger als fünf Minuten Wartezeit). Häufig werde ich angesprochen, wenn die Leute die Pappe für das Tramperschild in meinen Händen sehen (so haben mich auf der Rückreise von den fünf Autos, bei denen ich mitreiste, drei ansprochen bevor ich es getan habe). Es ergeben sich auch häufig witzige Zufälle: So bin ich bei einer gebürtigen Weißenfelserin mitgetrampt, die ich vorher nicht kannte, aber in meinem Alter ist; bin ich Autos eingestiegen, die schon Tramper enthielten und ebenso wie ich zum Frisbeeturnier wollten. :)

So habe ich das letzte Wochenende mit den Greifswaldern in Halle zur Mixed-Quali Nordost verbracht. Vielen Dank an das herzliche Team, das mich so toll aufgenommen und mich in den schon großen Kader eingespielt hat. Mit Platz 11 von 14 sind wir zwar nicht für die 1. oder 2.Liga qualifiziert, haben aber unser Wochenendziel erreicht und vor allem Spaß gehabt.

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Das Halletrüppchen mit Griffins-Lehre :)

Danach ging es nochmal für drei Tage zurück nach Chemnitz: Um nach Jobs für die Zukunft zu schauen, den wunderschönen Unigarten weiter zu pflegen (MDR-Figaro hat interviewt, Schüler des Chemnitzer Schulmodells haben den Garten besucht und erkundet), um auf dem „Hof zur bunten Kuh“ gegen ein paar Jungplanzen zu helfen („Kurzzeitwwoofing“) und um beim Go-Next-Tag zu helfen (dem NATUC-Nachhaltigkeitstag zusammen mit dem Studentenwerk an der Uni).

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Einsatz im heimischen Garten :)

Ich fand es sehr schön wieder in Chemnitz gewesen zu sein: So hatte sich der Unigarten seit Anfang April prächtig entwickelt (es ist toll das Vertraute und Selbstaufgebaute, vom dem man die ganze Geschichte kennt, wiederzusehen) und ich konnte meinen Sozial-o-Meter wieder restlos auffüllen und habe auch begonnen widerrum McPomm zu vermissen.

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Einfach zum Genießen.

Also ging es trampend zurück in den Norden und ich erkenne, dass sich die Natur in den letzten Tagen prächtig entwickelt hat. Zwar lassen die Erdbeeren auch hier noch auf sich warten, aber alles wächst üppg und wir beginnen damit die ersten Neuernten des Jahres zu verputzen: Mairübchen und Radieschen. Nun bekommt man direkt etwas von dem zurück, was man gegeben hat. Es ist alles so schön. So schön, dass ich nun langsam damit beginnen kann, euch die seltenen Gemüsesorten nach und nach näher vorzustellen. Seid gespannt!

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Kurzer Fotoschuss. Ich pflanze eigentlich gerade die Paprika aus. :)

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